Fatigue - Erschöpfung bei Krebs
| Autorin | Dr. Kathrin Strasser-Weippl 1.Medizinische Abteilung – Zentrum für Onkologie und Hämatologie Wilhelminenspital Wien |
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Therapie und Gegenmaßnahmen
Therapie nicht einfach, weil multifaktoriell bedingt und oft nicht klar ersichtlich, welche Ursache ausschlaggebend ist.
Ärzte beurteilen Fatigue häufig anders als Patienten; es wird vorwiegend angenommen, dass allein der Schmerz das Leben der Patienten beeinträchtigt. Die Patienten fühlen sich allerdings mehr durch Fatigue gehandicapt, müssen die Ärzte überzeugen! Von den Ärzten ist Empathie gefordert. Vorerst genaue Anamnese erforderlich:
- seit wann besteht Fatigue
- mit welchen Symptomen?
- ist Krebserkrankung der Auslöser?
- klinische Untersuchungen (Blutarmut – Blässe)
- gibt es reversible Ursachen? (Behandlung der Ursachen, ist das nicht möglich – andere Mittel)
Schmerztherapie
Schmerzen führen zu Erschöpfung, auch Schmerzmedikamente können Müdigkeit auslösen, enge Kooperation Arzt-Patient erforderlich um das optimale Level der Therapie zu eruieren.
Hormon-Chemo-Therapie kann für begrenzten Zeitraum zu verstärkter Müdigkeit führen – bei Wirkung ist allerdings der Gewinn an Lebensqualität häufig gut merkbar.
(Chronische) Infekte – bei Myelompatienten, bei denen immer ein gewisses Niveau der Krankheit vorhanden ist, besteht eine latente Infektanfälligkeit, hier sind manchmal prophylaktische Maßnahmen sinnvoll. Im Fall von Infekten: Blutproben um Erreger zu identifizieren, Antibiotika
Depression kann zwar auch durch Diagnose verursacht sein, allerdings ist Fatigue als Auslöser sehr häufig – neben Änderungen im sozialen Umfeld und Gesprächstherapie sind Antidepressiva häufig gut wirksam, geben mehr Energie!
Schlafstörungen – auch durch Stimmung verursacht. Schlafhygiene ist wichtig: beruhigende Rituale und Entspannungstechniken sowie gut verträgliche und leichte Schlafmittel mit größerem Erholungseffekt. (Halcion® (Triazolam): bei Einschlafstörungen gut wirksam)
Metabolische Störungen – können durch Erkrankung bedingt sein, aber auch durch die (durch Blutarmut verursachte) mangelnde Aufnahmefähigkeit des Darms. Ausreichende Kalorienzufuhr beachten, jedoch keine Mastkur! Astronautenkost – richtig dosiert, leider nicht jedermanns Geschmack. Auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten, da viele Therapien dazu führen, dass Kreislauf / Nieren belastet werden, Austrocknungserscheinungen auftreten. Korrektur von Elektrolytentgleisungen müssen aufgrund von Laborwerten vom Arzt durchgeführt werden!
Hormonmangel – seltene Ursache (u.U. Schilddrüse)
Blutarmut / Anämie – Schweregrad der Anämie hängt mit Müdigkeitsgrad zusammen. Ursache der Anämie kann
- die Erkrankung selbst sein, beim Myelom sehr häufig, da die Knochenmarkszellen die blutbildenden Zellen verdrängen.
- Auch die Tumortherapie kann zu Blutarmut führen. Es sind in diesen beiden Fällen unterschiedliche Therapien angezeigt. Therapieinduzierte Anämien sind gut behandelbar.
- Andere Ursachen: z.B: Mangel an blutbildendem Hormon (Erythropoietin)
Viele Studien belegen, dass bei Verbesserung der Anämie / Blutwerte der/die PatientIn mehr Luft bekommt, sich leistungsfähiger fühlt, höhere Lebensqualität hat. Blutarmut ist ein Hauptgrund für Fatigue der leicht therapierbar ist! 2 Methoden:
- Blutkonserven – wirken sofort, als Langzeittherapie (über Jahre) wenig bis nicht geeignet, außerdem ist Infektionsgefahr nicht gänzlich auszuschließen. Bei langfristiger Gabe von Blutkonserven wird sehr viel Eisen zugeführt, das sich im Körper anlagert; ausserdem wirken sich Blutkonserven ungünstig auf die Infektabwehr aus – bei Myelompatienten besonders problematisch.
- Erythropoietin – nebenwirkungsarm, Injektion, Möglichkeit einer einmaligen, wöchentlichen oder sogar dreiwöchentlichen Gabe, ambulante Verabreichung. Problem: wirkt nicht bei allen Patienten! Grund bis dato nicht bekannt. Daher ist nach einer Einführungsphase von ca. 8 Wochen anhand des Blutbilds die Wirksamkeit zu überprüfen. Patienten, bei denen Erythropoietin nicht wirkt (ca. 30 %) müssen auf Blutkonserven zurückgreifen.
Erythropoietin ist ein im Körper vorkommendes Hormon, in der Niere produziert, das in das Knochenmark gelangt und dort die Vorläuferzellen der roten Blutkörperchen anregt sich zu teilen, zu vermehren. Man kann bei Tumorpatienten, bei Patienten mit einer Nierenschädigung und im Fall von Infekten ein zu niedriges Erythropoietin-Niveau im Blut nachweisen. Klinische Erfahrung mit Erythropoietin seit >15 Jahren. Gaben dieses synthetisch produzierten Hormons gleichen Hormonmangel aus. Injektion in die Bauchhaut >>> Blutgefäße im Fettgewebe nehmen das Hormon auf, Weitertransport im Blut. Kein Risiko bei Amyloidose.
Eisenmangel – Eisenersatz erforderlich. Allerdings handelt es sich bei Tumorpatienten häufig um einen unechten Eisenmangel: im Blut ist zuwenig vorhanden, dafür erhöhte Werte in den Eisenspeichern. Die Gabe von Erythropoietin führt zu einer besseren Verwertung des Eisens aus den Eisenspeichern, so dass dieses vermehrt zur Blutbildung herangezogen werden kann.
Symptomtherapien
Ultima ratio für chronische Erschöpfung sind Aufputschmittel, die nicht die Ursache bekämpfen sondern eine Symptomtherapie darstellen. Die verwendeten Mittel sind schulmedizinisch weniger etabliert.
Canabinoide z.B. Marinol® (Dronabinol)– Ausstellung von Suchtgiftrezepten erforderlich, in manchen Apotheken erhältlich
Psychopharmaka – Stimulantien z.B. Modasomil® (Modafinil)
Hormone – z.B. Farlutal® (Medroxyprogesteronacetat) wirken auf Appetit, können bei Verlust von Körpergewicht eingesetzt werden – durch vermehrte Nahrungsaufnahme kommt es zu einer Kräftigung des Körpers. Problem: u.U. löst das Medikament Thrombosen aus, daher nur für jene Patienten geeignet, die kein (erhöhtes) Thromboserisiko aufweisen.
Cortison – wirkt kurzfristig, sicher keine Langzeittherapie, da Muskel- und Knochenschwund die Folge.

