Die wichtigsten Plasmozytom-Patienten und Angehörigenfragen
| Fragen | Jörg Brosig Leiter der Multiples Myelom Selbsthilfegruppe NRW e.V. Obfrau-Stellvertreter Myelom Hilfe Österreich |
| Antworten | Prof. Dr. H. Einsele Medizinische Klinik und Poliklinik II der Julius-Maximilians-Universität Würzburg |
Knochenschutz durch Bisphosphonate
Warum und welche Bisphosphonate werden beim Mulitplen Myelom eingesetzt?
Es gibt eine Fülle von Bisphosphonaten, die beim Multiplen Myelom eingesetzt werden. Nach der Richtlinien der Amerikanischen Gesellschaft für klinische Onkologie sind bisher nur 2 Bisphosphonate bei der Therapie des Mulitplen Myeloms empfohlen, weil entsprechend günstige Studienergebnisse vorliegen, nämlich Pamidronat (Aredia) und Zolendronat (Zometa).
Wie wirken diese Bisphosphonate?
Sie vermindern den Knochenabbau, in dem sie die knochenabbauenden Zellen in ihrer Funktion beeinträchtigen und deren Vermehrung hemmen. Sie stabilisieren außerdem den Knochen. Darüber hinaus haben sie sehr wahrscheinlich einen direkten Antitumoreffekt.
Einzelne MM Patienten klagen über Kieferprobleme, hängt das mit den Bisphosphonaten zusammen? Was kann man dagegen tun?
Es gibt gewisse Hinweise, dass es bei längerfristiger Anwendung von Bisphosphonaten zu Knochenveränderungen im Bereich des Kiefers kommt. Wichtig ist eine gute Zahnpflege zu betreiben und regelmäßig den Zahnarzt aufzusuchen, um solche Veränderungen bereits frühzeitig feststellen zu können. Man sollte den Zahnarzt darauf hinweisen, dass man längerfristig mit Bisphosphonaten behandelt wurde, um ihn speziell für diese Fragestellung zu sensibilisieren.
Unmittelbar nach der Gabe des Bisphosphonats entstehen bei nicht wenigen Patienten leichte bis mittlere Knochenschmerzen. Warum entstehen diese und wo sollte man diese Schmerzen behandeln?
Bei Applikation der Bisphosphonate kann es zu einer Temperaturerhöhung mit Blutbildveränderungen kommen. Es kommt zum Anstieg des C-reaktiven Proteins und von bestimmten immunstimulierenden Zytokinen, welche unspezifische Beschwerden mit grippeartigen Kopf,- Knochen-, Brust- und Gliederschmerzen sowie Abgeschlagenheit auslösen können. Die Reaktion setzt 10 Stunden nach der 1. Infusion ein und kann 1 bis 2 Tage anhalten. Hier kann durch Gabe von Paracetamol (Benuron) oder Metamizol (Novalgin) erfolgreich behandelt werden.
Die Infusionsdauer der Bisphosphonate wird häufig diskutiert. In welcher Abhängigkeit sollte welches Medikament wie lange verabreicht werden?
Für die Infusionsdauer der Bisphosphonate sollte die angegebene Dauer berücksichtigt werden, d.h. für Zometa 15 Minuten, für Pamidronat mindestens 2 Stunden. Bei Nierenproblemen sollte das Präparat eher langsamer, möglicherweise in größeren Abständen, falls überhaupt, gegeben werden.

