OA Dr. Georg Hopfinger

Hanusch–Krankenhaus Wien, 3. Medizinische Abteilung mit Onkologie

Hanusch–Krankenhaus Wien

Bericht über den Kongress der Amerikanischen Gesellschaft für Hämatologie (ASH) (Atlanta, 8.–11. Dezember 2007)

Mit mehr als 700 Beiträgen zum Thema NHL und CLL wurde auf der letzten Tagung der American Society of Hematology (ASH) eine große Fülle von sehr interessanten Daten präsentiert.


Weitere Berichte vom ASH-Kongress 2007


Non-Hodgkin Lymphome

Mantelzell-Lymphom

Jährlich erkranken etwa 3 von 100.000 Menschen an einem Mantelzell-Lymphom, wobei das mittlere Erkrankungsalter bei 65 bis 70 Jahren liegt. Leider ist die Erkrankung durch einen meist aggressiven Verlauf gekennzeichnet. Ermutigend waren die Daten einer amerikanischen Studie bei der mit hochdosierter Chemotherapie (hyperCVAD) gemeinsam mit dem monoklonalen Antikörper Rituximab ein hohes Ansprechen von 88 % erreicht werden konnte [Epner #387]. Auch mit dem Einsatz von Bortezomib (Velcade®), einer Substanz die aus der Behandlung des multiplen Myeloms bekannt ist, konnte ein hohes Ansprechen bei Patienten mit rezidiviertem Mantelzell-Lymphom erzielt werden [Goy#125]. Interessant war weiters eine Studie, die den bisherigen Standard CHOP +Rituximab gegen Bendamustin +Rituximab in der Erstbehandlung von Mantelzell-Lymphom verglichen hat. In der Zwischenauswertung von mehr als 300 Patienten war Bendamustin+Rituximab gleich gut wirksam wie CHOP+Rituximab. Allerdings traten unter Bendamustin weniger Nebenwirkungen auf, Haarausfall wurde gar nicht beobachtet [Rummel# 385].


Follikuläres Lymphom

In der Behandlung der follikulären Lymphome, die mit einer Häufigkeit von etwa 8 neu erkrankten Menschen auf 100.000 pro Jahr auftritt, fanden sich ebenfalls Therapieverbesserungen. Die derzeitige Standardtherapie ist eine Kombination von Rituximab mit Chemotherapie unter der eine hohe Remissionsrate erzielt wird. Allerdings treten häufig Rezidive auf. In einer Studie mit dem radioaktiven Antikörper Ibritumomab (Zevalin®) als Konsolidierung konnte nach erfolgter Chemotherapie die krankheitsfreie Zeit um fast zwei Jahre verlängert werden [Hagenbeek # 643).


Diffus-grosszelliges NHL

Patienten mit diffus grosszelligem NHL erhalten routinemäßig CHOP + Rituximab. Neben den bildgebenden Untersuchungen wie Ultraschall und Computertomographie, hat bei dieser Erkrankung auch der Einsatz der nuklearmedizinischen Technik des PET-Scans (Positronen Emmisions Tomographie) sowohl vor als auch nach Beendigung der Therapie einen festen Stellenwert zur Erfolgskontrolle. Eine Studie zeigte, dass bei Patienten mit geringem Ausbreitungsmuster bei einem negativen PET Befund nach bereits 3 Chemotherapie Zyklen ein Verzicht auf eine anschließende Bestrahlung möglich sein könnte [Sehn # 787].


Chronisch lymphatische Leukämie (CLL)

Dass Patienten mit CLL nur in fortgeschrittenem Stadium (Binet B und C) behandelt werden sollten ist allgemein akzeptiert. Diesem Konsens steht in der Ersttherapie eine Fülle von Optionen gegenüber, wobei zurzeit Fludarabin, Cyclophosphamid, Rituximab und Alemtuzumab die wichtigsten Komponenten darstellen. In einer Phase III Studie wurde Chlorambucil (Leukeran®) mit Bendamustin als Ersttherapie evaluiert, wobei das Gesammtansprechen unter Bendamustin mit 68% gegenüber Chlorambucil mit 39% deutlich besser war [Knauf # 2043]. Diese Ergebnisse entsprechen in etwa dem, was wir von einer Fludarabin Monotherapie erwarten können, weswegen Bendamustin in naher Zukunft vermehrt in der Behandlung der CLL auch in Kombination wie z.B. mit Rituximab untersucht werden wird. Eine Studie, die speziell für ältere Patienten mit CLL ausgelegt war, verglich die first-line Behandlung von Fludarabin mit Chlorambucil. Trotz einer höheren Ansprech-Rate von 85,9 % unter Fludarabin gegenüber 58.6 % unter Chlorambucil fand sich kein Unterschied im Zeitintervall bis zum Fortschreiten der Erkrankung (Eichhorst #629).

Ein weiterer Schwerpunkt war die Kombination von Fludarabin und Cyclophosphamid (FC) mit weiteren Substanzen. So berichtete O´Brien von der Kombination FC mit dem anti-bcl2 Oblimersen in einer Phase III Studie (O´Brien# 751). Oblimersen stellt ein neues Wirkprinzip ein sog. Antisense-Medikament dar, welches gezielt die Synthese von Proteinen in der Zelle verhindert. Im Therapiearm FC+ Oblimersen fand sich bei relapsierten und refraktären CLL Patienten eine signifikante Verbesserung der Ansprechrate von 17 % gegenüber nur 7% bei FC alleine. Weiters wurden FC + Mitoxantrone + Rituximab sowohl in der Ersttherapie [Bosch#626] als auch in der Wiederbehandlung [Hillmen# 752] erfolgreich eingesetzt. Den Stellewert einer Rituximaberhaltungstherapie untersuchte eine österreichische Studie, wobei von 12 auswertbaren Patienten mit Erhaltungstherapie nach 6 Monaten alle in kompletter Remission waren (Egle # 235).


Zusammenfassung

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass in der Behandlung der Non-Hodgkin Lymphome und der chronisch lymphatischen Leukämie in letzter Zeit große Fortschritte erzielt wurden und Kombinationstherapien die Basis dieses Fortschrittes darstellen.