Univ. Prof. Dr. Ulrich Jäger

Medizinische Universität Wien, Klin. Abt. für Hämatologie und Hämostaseologie, Univ.-Klinik Innere Medizin I

Medizinischer Ansprechpartner der Selbsthilfegruppe

ASH 2010 - Agressive Lymphome

Bei den aggressiven Lymphomen ergab sich heuer eine Reihe von Entwicklungen, die einerseits mit der Diagnostik und Prognostik, andererseits mit einer zielgerichteten Therapie von Untergruppen zu tun hat. In der Diagnostik zeigt sich, dass die WHO-Klassifikation aus dem Jahr 2008 tatsächlich eine Reihe von klinischen Entitäten definiert hat, die zum besseren Verständnis der Erkrankungen beitragen. Hier wurden vor allem die Grauzonenlymphome besprochen: Einerseits die diffuse large B-cell lymphomas mit c-myc Translokationen, die sich teilweise mit den Burkitts überlappen und deren Prognose eher schlecht ist, besonders dann, wenn gleichzeitig auch noch andere genetische Hits stattgefunden haben (Translokationen/Deletionen im Bereich von bcl-2, bcl-6). Hier sind derzeit Studien im Gange, die versuchen, Burkitt Therapieschemata für diese Lymphome einzusetzen. Die andere Art von Grauzonenlymphomen sind die Erkrankungen, die ein Mittelding zwischen Morbus Hodgkin und primär mediastinalem B-Zelllymphom darstellen, für die ebenfalls neue therapeutische Möglichkeiten gesucht werden.

Die diagnostische Unterscheidung in germinal center und activated B-cell phenotype hat am ASH nun auch in therapeutischen Konsequenzen gemündet. Eine Reihe von Pilotstudien haben untersucht, mit welchen Medikamenten man den GCP oder ABC phenotype besser behandeln kann. Neben den bahnbrechenden Untersuchungen von Lou Staudt konnte gezeigt werden, dass Bortezumib besonders beim ABC phenotype gut wirkt. Beim germinal center phenotype scheinen syk Inhibitoren eine besondere Rolle zu spielen.

Was die Therapie betrifft, so zeigt eine französische Studie, dass R-CHOP 21 dem R-CHOP 14 nicht unbedingt unterlegen ist. Neue therapeutische Ansätze ergeben sich vor allem über die Wirksamkeit von neuen Antikörpern und Inhibitoren der Signaltransduktion, Beispiele daraus werden im Vortrag besprochen. Insgesamt ist zu sagen, dass im Gegensatz zum Vorjahr heuer eine Reihe von neuen Entwicklungen bei den diffuse large B-cell lymphomas absehbar ist, die in den nächsten 1-2 Jahren auch klinisch ihren Niederschlag finden wird.