Zuviel Lobby für Krebskranke kann es nicht geben!

Presse- und Expertengespräch in Wien, 4.Dezember 2006

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Krebs und Kosten: Lösung für Finanzierungsproblematik fehlt

Wien (APA) - Krebs und Kosten: Bei pro Jahr etwa 35.000 Neuerkrankungen durch bösartige Leiden in Österreich und rund 18.000 Todesfällen ist klar, dass die modernen Therapien zunehmend zu einem erheblichen Kostenfaktor werden. Eine Lösung für die Finanzierungsproblematik im Krankenhaus und zum Teil auch bei der Überführung solcher Behandlungsmöglichkeiten in die niedergelassene Praxis fehlt aber. Dies sagten Fachleute am Montag bei einem Expertengespräch in Wien.

"Die neuesten Medikamente werden, auch wenn sie zugelassen sind, in kleinen Spitälern gar nicht angeboten", kritisierte Elke Weichenberger, Obfrau der Selbsthilfegruppe Myelom Kontakt Österreich. Sie ist seit Jahren mit der Tatsache konfrontiert, an einer unheilbaren Myelom-Erkrankung zu leiden und kennt die Probleme vieler Patienten.

Faktum laut Univ.-Prof. Dr. Heinz Ludwig, Leiter des onkologischen Zentrums am Wiener Wilhelminenspital: Schon in der Vergangenheit war es für Krebspatienten zum Teil unmöglich, an die optimalen Therapien heranzukommen. Die Politik stellte sich lange taub. Erst ein heftiger Medienwirbel im Sommer 2005 brachte die Gesundheitspolitiker der Bundesländer dazu, auch die Versorgung der Patienten mit den modernsten und aufwendigsten Krebsmitteln zu garantieren. Der Experte: "Wenn man Österreich im europäischen Kontext vergleich, ist die Situation sehr gut. Wir haben aber ein enormes Potenzial, unsere Effizienz zu steigern."

Dabei wird überhaupt bezweifelt, ob der Anteil der Onkologie an den Gesundheitsausgaben überhaupt so überproportional hoch ist. Univ.-Prof. Dr. Richard Greil, Vorstand der III. Medizinischen Abteilung an der Salzburger Universitätsklinik: "Der Anteil der Krebserkrankungen macht in Europa 17 Prozent der des Lebenszeitverlustes unter allen Erkrankungen aus. Die für die Krebstherapie aufgewendete Geldmenge beträgt aber nur 6,5 Prozent der Gesamtausgaben (für Gesundheit, Anm.). Deshalb kommt der Karolinska-Bericht an des EU-Parlament zum Schluss, dass die Krebstherapie in Europa dramatisch unterfinanziert ist. Tatsächlich betragen die Kosten für Krebsmedikamente zirka 80 Millionen Euro in Österreich, was einem Anteil von 0,5 Prozent der Gesamtgesundheitskosten entspricht." Es hätte auch keine "Kostenexplosion" gegeben.

Das sieht der Hauptverband der Sozialversicherungsträger offenbar etwas anders. Die Kosten pro Verordnung für einen Krebspatienten seien vom Jahr 2000 bis zum Jahr 2006 von rund 120 Euro auf an die 250 Euro gestiegen, belegte Dr. Anna Bucsics vom Dachverband der sozialen Krankenkassen. Zwischen 2005 und dem Ende des ersten Halbjahrs 2006 seien die Aufwendungen pro Verschreibung für einen Krebspatienten um 12,6 Prozent gestiegen (erstattungsfähige Medikamente), bei den Spitalspräparaten gar um 29,7 Prozent.

Die Krankenkassen wollen aus Sicherheitsgründen, aber zum Teil wohl auch aus Kostengründen, die aufwendige Krebstherapie an Spitalszentren belassen wissen. Während sie für hundert Prozent der Medizin im niedergelassenen (Kassen-)Bereich aufkommen, finanzieren sie auch 60 Prozent der Spitalsbudgets. Univ.-Prof. Dr. Klaus Klaushofer, beratender Arzt des Hauptverbandes: "Wenn die Krankenhäuser auslagern, was ihnen (an Aufgaben, Anm.) zusteht, wird die Sozialversicherung zwei Mal bezahlen."

Gerade dieses Gezerre zwischen den Kostenträgern – Krankenkassen und Spitalsträgern - gehört dringend gelöst. Klaushofer mit Hinblick auf neue Medikamente, die auch die Möglichkeiten der Krankenhäuser an Finanzbedarf übersteigen: "Dafür muss man neue Möglichkeiten suchen."

Auch Onkologe Ludwig will die Übernahme bestimmter Therapien vom Spitals- in den niedergelassenen Bereich gelöst wissen. Zwischen den einzelnen Mühlsteinen des Gesundheitssystems könnten nämlich die Patienten zerrieben werden.